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Woran ich inzwischen erkenne, ob ein Finanzkurs sein Geld wert ist

Ich habe in den letzten Jahren einige Kurse gekauft, gute und ziemlich schlechte. Bei Finanzthemen ist die Trefferquote gefühlt am schlechtesten, weil dort besonders viel mit Ergebnissen geworben wird und besonders wenig mit Methode. Ich habe mir daraus ein paar Prüfpunkte gebaut, die ich hier teile, plus das Beispiel, an dem ich sie zuletzt angewendet habe.

Erster Punkt: Wie wird auf der Verkaufsseite argumentiert? Wenn dort überwiegend Kontoauszüge, Autos und Vorher-Nachher-Geschichten stehen, ist das für mich ein Ausschlusskriterium. Nicht weil solche Ergebnisse unmöglich wären, sondern weil sie nichts darüber sagen, ob mir jemand etwas beibringen kann.

Zweiter Punkt: Gibt es eine nachvollziehbare Gliederung, bevor ich zahle? Ein Anbieter, der die Modulstruktur zeigt, hat in der Regel eine. Wer nur mit Schlagworten arbeitet, hat oft nichts dahinter.

Dritter Punkt: Wird gesagt, für wen der Kurs nicht ist? Das ist mein zuverlässigster Indikator. Wer eine Zielgruppe eingrenzt, hat über den Inhalt nachgedacht. Wer behauptet, das sei für jeden geeignet, verkauft ein Versprechen statt eines Kurses.

Vierter Punkt: Wie geht der Kurs mit Risiken um? Bei Finanzthemen muss irgendwo stehen, was schiefgehen kann. Fehlt das komplett, ist es unseriös, egal wie gut der Rest ist.

Fünfter Punkt: Was passiert nach dem Kauf? Zahlen und Beispiele altern. Ein Kurs ohne Aktualisierung ist nach ein paar Jahren nur noch die halbe Miete.

Angewendet habe ich das zuletzt auf die Dividenden Strategie Masterclass von Andreas Hollmotz, der als Dividenden Backpacker unterwegs ist. Ergebnis: Punkt eins bis vier erfüllt, Punkt fünf über den enthaltenen Newsroom-Zugang gelöst, über den nach dem Kauf weiteres Material bereitgestellt wird.

Zum Umfang: elf Module mit über 65 Lektionen, insgesamt mehr als elf Stunden Videomaterial. Die Zahlung ist einmalig, es läuft nichts monatlich weiter. Nach Anbieterangaben haben bisher über 700 Teilnehmer den Kurs belegt. Inhaltlich geht es um das Finden und Bewerten von Dividendenaktien und um Kauf- wie Verkaufszeitpunkte.

Was ich beim Durcharbeiten als stärksten Teil empfunden habe, ist die Arbeit an Gegenbeispielen. Es werden nicht nur Unternehmen gezeigt, die man kaufen würde, sondern auch solche, die auf den ersten Blick attraktiv wirken und bei genauerem Hinsehen durchfallen. Genau das fehlt in den meisten kostenlosen Erklärformaten, weil es länger dauert und weniger gut aussieht.

Schwächen, damit die Bewertung ehrlich bleibt: Der Verkaufsteil ist gemessen an seiner praktischen Bedeutung knapper als der Kaufteil. Und wer komplett bei null anfängt, braucht am Anfang etwas Durchhaltevermögen, weil die Grundlagen zügig abgehandelt werden.

Beim Thema selbst gilt unabhängig vom Kurs: Aktienkurse können deutlich fallen, auch über Jahre. Eine Dividende ist keine Zusage, sondern eine jährliche Entscheidung, die in schlechten Zeiten anders ausfällt. Und der Aufbau dauert lange. Ein Kurs kann das Lernen abkürzen, nicht die Zeit.

Offenlegung: Mein Link ist ein Partnerlink, ich verdiene bei einem Kauf mit. Wer die Gliederung selbst prüfen will, gemessen an den obigen Punkten, kann sie hier durchgehen. Ohne meinen Link natürlich ebenso.

Ein sechster Punkt, den ich mir angewöhnt habe: Ich schaue mir an, ob der Anbieter außerhalb seiner Verkaufsseite überhaupt inhaltlich sichtbar ist. Wer seit Jahren zum selben Thema veröffentlicht, hat eine nachvollziehbare Spur. Wer nur eine Verkaufsseite hat und sonst nichts, ist schwerer einzuschätzen.

Und ein letzter, praktischer: Ich kaufe keinen Kurs mehr am selben Tag, an dem ich ihn entdecke. Ein paar Tage Abstand haben mich schon mehrfach vor Käufen bewahrt, die rein aus Begeisterung entstanden wären. Bei den Kursen, die ich nach Wartezeit trotzdem gekauft habe, war die Trefferquote deutlich besser.

Ein siebter Punkt, den ich inzwischen dazugenommen habe: Wie geht der Anbieter mit Rückfragen um. Ich habe vor dem Kauf eine inhaltliche Frage gestellt und eine sachliche Antwort bekommen, ohne Verkaufsanhang. Wer auf eine Frage mit einem Angebot antwortet, verrät damit ziemlich viel über seine Prioritäten.

Wie prüft ihr Kurse vor dem Kauf? Habt ihr feste Kriterien, oder entscheidet ihr aus dem Bauch? Und gibt es einen Punkt, bei dem ihr grundsätzlich abwinkt?